Tiergestützte Pädagogik

Liebe Eltern, in unserem Waldkindergarten arbeiten wir mittels eines naturpädagogischen Konzepts. Dazu gehört für uns auch der achtsame Umgang mit allen Lebewesen und das Sensibilisieren für den Umgang mit Tieren, die uns oft im Wald begegnen und im Alltag begleiten – im Rahmen der tiergestützten Pädagogik beziehen wir vier Hunde mit ein, die es uns aufgrund ihrer unterschiedlichsten Wesenszüge erlauben, den Kindern einen individuellen Umgang zu ermöglichen.

Unsere Vierbeinigen MitarbeiterInnen

Clara (*08/2021) ist eine zarte Windhundmischlingshündin mit einem sehr sanften Wesen. Sie ist eher zurückhaltend, sehr entspannt, ruhig und vorsichtig. Aufgrund ihrer Rasse ist sie unglaublich schnell und sie liebt es, mit den Kindern über die Wiesen zu toben und allerhand Dinge zu apportieren. Sie legt sich gerne direkt vor die Kinder, um sich den Bauch kraulen zu lassen. Clara liebt Wasser über alles und wenn es die Möglichkeit gibt, planscht sie mit den Kindern super gerne. Wenn sie ihre fünf Minuten hat macht sie gerne Quatsch, was ihr fast schon menschliche Züge verleiht. Wir und die Kinder haben dann immer sehr viel zu Lachen.

Da die Kinder Clara an der Leine führen dürfen, lernen sie nicht nur einen achtsamen Umgang mit dem Hund, sondern auch, die Umwelt genau zu betrachten. Gemeinsam können sie mit Clara auf Entdeckungstour gehen, da sie das Umherstreifen mindestens genauso liebt wie die Kinder. Da Clara eher fein reagiert, merkt man schnell, wenn sie etwas gerne macht oder auch wenn sie etwas nicht möchte – dann guckt sie beispielsweise einfach weg. Es ist uns sehr wichtig, dass die Grenzen der Hunde wie auch die der Kinder gewahrt werden, demnach lernen wir gemeinsam mit den Kindern, wie die Hundesprache funktioniert.

Diana hat den Master in Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt auf Psychologie absolviert. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass Clara und Diana gezielt mit Kindern im Rahmen der tiergestützten Pädagogik/Intervention arbeiten können. Dieses Einsatzgebiet umfasst eine große Bandbreite: Clara kann als Seelentrösterin und Mutmacherin eingesetzt werden, sie kann Kinder in schwierigen Lebensphasen unterstützen. Darüber hinaus ist auch ein Einsatz bei beispielsweise Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten möglich.

Eine tiergestützte Intervention findet nie ohne eine vorherige Information und Einwilligung der Erziehungsberechtigten statt.

Clara hat mit ihrer Besitzerin Diana Meier die Fortbildung für die tiergestützte Therapie durchlaufen und soll neben dem täglichen Begleiten in den Wald, zukünftig in der tiergestützten Pädagogik eingesetzt werden.

Die Grundlagen der Ausbildung bestehen aus den Themen: Sozialverhalten und Kommunikation der Hunde, Beziehungsaufbau, Hunde und ihr Lernverhalten und Stressanzeichen, Anatomie und Erste Hilfe, Allgemeine Informationen, Wesenstest, Kommunikation in therapeutischen Settings, tiergestützte Anwendung im Kindergarten, Recht, Hygiene, Ethik und Organisation einer tiergestützten Intervention.

Clara ist aktuell an 3-4 Tagen im Wald mit dabei.

Nelly (*04/2014) ist eine verschmuste Labrador-Appenzeller Sennen-Mischlingshündin und mit ihren 11 Jahren der zweitälteste und zweitweiseste Hund im Hundeteam.

Sie liebt es den Wald zu inspizieren und ergründet ständig den Boden, auf dem wir mit den Kindern unterwegs sind. Sie ist mitteilungsbedürftig und hat verschiedene Tonlagen, mit denen sie uns ihre Bedürfnisse vermittelt – was die Kinder besonders lustig finden. Sie liebt es von den Kindern gekrault zu werden und setzt sich gerne vor sie, um zu zeigen, dass sie es am Rücken besonders gerne hat. Kunststücke zeigen gehört zu ihren Spezialitäten, wenn sie dafür mal eine kleine Leckerei bekommt, zeigt sie diese in verschiedener Abfolge sogar freiwillig.

Da sie schon etwas älter ist, begleitet sie uns nur ab und zu, höchstens einmal pro Woche in den Wald.

Isabell (*04/2021) ist eine kleine zarte Pinschermischlingshündin.

Da sie etwas ängstlich ist, müssen die Kinder erst ihre Halterin Eilika fragen und zusammen fragen sie dann Isabell, ob sie gerade gestreichelt werden möchte. Dabei kommuniziert Isabell sehr fein und dennoch sehr klar. Die Kinder lernen ihre Sprache schnell und es ist wunderbar zu beobachten, wie behutsam und aufmerksam die Kinder mit ihr umgehen.

Wenn wir im Wald unterwegs sind, dürfen die Kinder sie führen, meist zu zweit und auch hier lernen die Kinder sowohl aufeinander, als auch auf Isabell zu achten.

An den Plätzen hat Isabell ihr geschlossenes Hundehaus als Rückzugsort und es ist eine klare Regel, dass sie dort in Ruhe gelassen wird.

Isabell ist eine gute Lehrerin für Präsenz und einen respektvollen Umgang, nebenbei getätschelt zu werden ist nicht ihr Ding. Im Gegenzug beschenkt sie die Kinder mit ihrer vollen Aufmerksamkeit, wenn sie sie streicheln dürfen, das sind oft wahre Glücksmomente für die Kinder, die sehr stolz sind, dass Isabell von ihnen gestreichelt werden möchte. Außerdem liebt sie es, mit den Kindern das Leckerli-Verstecke-Spiel zu spielen.

Isabell ist meist an drei bis vier Tagen im Wald dabei.

Amani ist ein alter feiner Herr mit seinen fast 15 Jahren (*07/2010). Wenn wir das mit den Kindern in Hundejahren umrechnen, wird schnell klar, dass er der Älteste im Kindergarten ist und manchmal stellt sich die Frage, wie viele Ur`s kommen denn noch vor das Opa.

Er ist ein sehr freundlicher und lieber Hund, der ab und zu noch zum Clown wird und mit einem Stöckchen durch dir Gegend hüpft und es liebt, wenn die Kinder versuchen, an das Stöckchen zu kommen. Er verlässt sich mittlerweile eher aufs Haken schlagen als auf Geschwindigkeit.

Auf unseren Wegen im Wald und an den Plätzen läuft Amani fast immer frei, außer wenn wir essen, dann ist er an seinem Korb angebunden. Wenn das Frühstück beendet ist und er findet, dass auch die letzten Kinder fertig sein sollten, kann es sein, dass er sich lautstark zu Wort meldet, um endlich seinem Job als Staubsauger nachkommen zu können. Auch liebt er das Leckerli-Verstecke-Spiel mit den Kindern sehr. Zu ihm kommen die Kinder öfters, um ihn zu streicheln und zur Ruhe zu kommen.

Wenn wir uns der Hütte nähern und ebenso auf dem Hüttengelände muss er an der Leine laufen und für die Kinder, die ihn dann führen ist er ein Lehrer in Geduld und Langsamkeit. Ein alter Herr hat viel zu schnuppern und darf keinesfalls durch die Gegend gezogen werden.

In jungen Jahren hat Amani mit seiner Halterin Eilika eine Ausbildung als Besuchs-Hunde-Team gemacht und danach schon in der Krippe, im Pflegeheim, bei Privatpersonen, die Assistenz benötigen und in zwei anderen Waldkindergärten gearbeitet und dort die Menschen mit seinem Charme und seinem lieben Wesen verzaubert.

Amani ist an vier Tagen im Wald dabei.

Vorraussetzungen der Hunde

Alle Hunde…

… verfügen über einen gültigen Impfpass und einen EU-Heimtierausweis.

… verfügen über eine Hundehaftpflichtversicherung.

… werden alle 3 Monate entwurmt und bekommen ein präventives Zecken-/ Flohmittel.

… werden mindestens einmal jährlich vom Tierarzt durchgecheckt, sowie nach Bedarf.

… werden artgerecht gehalten und bekommen neben ihrem Einsatz bzw. dem Besuch im Kindergarten hundegerechte Beschäftigung und ausreichend Bewegung.

… werden in ihren individuellen Bedürfnissen berücksichtigt: Dauer des Einsatzes, Kommunikation, Ernährung, etc.

… werden unter Berücksichtigung des Tierschutzes sowie unter Anerkennung von Stresssymptomen im Waldkindergarten eingesetzt.

… erhalten angemessene Pausenzeiten und einen Rückzugsort, bei dem sie nicht gestört werden. Im Wald wird dies durch ein buntes Seil signalisiert, das um den Hund auf den Boden gelegt wird, wenn er auf seinem Platz ist. Bei der Hütte ist es die sogenannte „Hundeoase“. Ein eingegrenzter Bereich, in dem die Hunde von niemandem, außer von Diana oder Eilika beziehungsweise in Begleitung von Diana oder Eilika, berührt werden. Hier herrscht absolute Hundepause!

Tiergestützte Intervention/ tiergestützte Pädagogik

Die tiergestützte Intervention gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nach den Vorreitern wie die Schweiz, Österreich und Amerika wird auch in Deutschland die positive, fördernde und heilsame Wirkung nach und nach anerkannt. So kann der Hund als Angst- und Spannungsminderer, als Bindungsfigur, Motivator oder Kommunikationsförderer wirken.

Bei der tiergestützten Intervention fungiert das Tier vorrangig als Brücke zur Kommunikation. Es wird sozusagen als Medium für eine ungezwungene Kontaktaufnahme und zur gezielten Förderung von Menschen eingesetzt.

Der Begriff der tiergestützten Intervention wird zunehmend in medizinischen oder therapeutischen Kontexten von Fachkräften mit einer Zusatzqualifikation angewendet, wobei die tiergestützte Pädagogik sich speziell auf den pädagogischen Kontext bezieht – beispielsweise in Schulen und Kindergärten – und sich allgemeinen Lernprozessen widmet.

Wir bezeichnen bei uns im Waldkindergarten die tägliche Hundebegegnung als tiergestützte Pädagogik. Die Hunde begleiten uns im Alltag, dürfen von Kindern an der Leine geführt und gestreichelt werden, während wir den Kindern den achtsamen Umgang mit ihnen beibringen.

Da Diana den Master in Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt auf Psychologie absolviert hat, widmen sich Diana und die Hündin Clara bei der tiergestützen Intervention, beispielsweise (einzelnen) Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsverzögerungen, wobei Clara manchmal auch einfach als Seelentrösterin oder Mutbringerin fungiert. Im Grunde besteht generell das Ziel, emotionale wie auch soziale Kompetenzen des Kindes zu fördern und vorhandene Ressourcen zu stärken und zu fördern.

Da wir mit einem naturpädagogischen Konzept arbeiten, gilt für uns der achtsame Umgang mit Lebewesen als essenziell. Wir freuen uns sehr, dass wir alleine schon durch den Wald die Möglichkeit haben, den Kindern vielfältige Werte beibringen zu können – durch die Hunde lernen die Kinder zusätzlich, behutsam auf Tiere zuzugehen und deren großen Wert zu erkennen sowie die Notwendigkeit der nonverbalen Kommunikation. So werden sie dafür sensibilisiert, Gegebenheiten in der Umwelt wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Die tiergestützte Intervention bzw. Pädagogik hat für uns einen unschätzbaren Wert und bereichert unsere pädagogische Arbeit tagtäglich maßgebend. Sei es bei der Kontaktaufnahme, Ablösungsproblemen der Kinder von den Eltern am Morgen, beim Sensibilisieren von Grenzen und vor allem als Seelenbalsam.

Bei weiteren Fragen könnt ihr euch natürlich an Diana oder Eilika wenden. Die Maßnahme der tiergestützten Einzelintervention kann bei Bedarf mit Diana besprochen werden, wobei natürlich die zeitlichen Kapazitäten berücksichtigt werden müssen.

Herzlichen Dank und liebe Grüße

Pädagogisches Team, Vereinsvorstand und Clara, Nelly, Isi und Amani